Wie jemand auf die lebensrettende Idee kam...  
     
  Neugeborenen-Notarztdienst RT Neugeborene im Rettungsdienst Entwicklung des Rettungswesens
 


Neugeborenen-Notarztdienst im Kreis Reutlingen
Durch seine Erfahrungen im Rettungsdienst als Notarzt und Kinderarzt, griff Dr. med. Baumgärtel, Assistenzarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Reutlingen, die Idee des Baby-Notarztwagens auf. Im Februar 2003 entschlossen sich dann der DRK-Kreisverband Reutlingen und die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Reutlingen ebenfalls ein solches Transportsystem in den Dienst zu stellen. Die Finanzierung durch Spenden soll bereits im Frühjahr 2004 abgeschlossen sein. Die Auftaktveranstaltung fand im Rahmen einer Pressekonferenz am 28.11.2003 in den Räumen der DRK Geschäftsstelle statt

2003
Überlegungen von Dr. Baumgärtel zum Baby-Notarztwagen
Februar 2003
Entschluß des DRK-Kreisverband Reutlingen und der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Reutlingen ein Transportsystem für Früh- und Neugeborene in Dienst zu stellen
   
28.November 2003
Auftaktveranstaltung
Auftaktveranstaltung mit Pressekonferenz in den Räumen der DRK Geschäftsstelle Reutlingen. Im Beisein des Esslinger Baby-Notarztwagens wurden die ersten Schecks zum Spendenstart überreicht.
   
08. März 2004
Besichtigung des Baby-Notarztwagen Stuttgart.
   
16. März 2004
Vorstellung des Projekts bei der Firma Schöpfer/Reutlingen.
   
22. März 2004
Der Spendenstand hat die 50.000 € -Grenze überschritten
   
 
Termin bei der Firma Strobel zwecks Endausbau
   
26.04.2004 Seit einer Woche steht unser Grundfahrzeug für den Baby-Notarztwagen bei der Firma Strobel in Aalen, bei der das Fahrzeug seinen Ausbau erhält. Dies dauert etwa zwölf Wochen.
Durch weitere Spenden hoffen wir die Innenausstattung weiter optimieren zu können.
   
Juni 2004 So wird ungefähr der Baby-Notarztwagen aussehen. Deutlich sichtbar zeigt der Storch dass dieses Fahrzeug für die Kleinsten unterwegs ist.
Kleine Änderungen wird es noch geben - aber sie werden ihn auf alle Fälle wieder erkennen...
   
Juli 2004 So langsam wird´s:
Neben den Begleitersitzen für Intensivschwester und Neugeborenen-Notarzt, wurde bereits der Tragetisch eingebaut.
Der Tragetisch, auf dem der Inkubator eingeschoben wird, ist das Herzstück des Fahrzeuges. Technik die bisher nur beim Militär eingesetzt wurde, soll nun helfen, die kleinen Patienten ohne Erschütterung zu transportieren.
   
August 2004 Jetzt nähern wir uns langsam dem Ziel: Auf der linken Seite ist die Arbeitsfläche der Versorgungseinheit ("Wickeltisch") zu sehen, während auf der rechten Seite die Schränke für die Gasflaschen zu sehen sind.
Wir sind zuversichtlich dass der Baby-Notarztwagen bis in einige Wochen fertig wird!
   
20.September 2004 Das wäre geschafft: Das Fahrzeug steht bereits auf der Rettungswache in Reutlingen. Zwar noch etwas nackt und kahl, aber unverkennbar in welche Richtung es geht. Nun müssen noch einige technische Dinge fertiggestellt werden und dann kommt natürlich noch das unverwechselbare Design damit jeder sehen kann, weswegen dieses Fahrzeug unterwegs ist.
   
23.September 2004 Jetzt kommt Farbe ran!
Mit der Firma Schöpfer haben wir einen kompetenten und leistungsstarken Partner gefunden, der nicht nur flexibel auf unsere Wünsche und Vorstellungen eingegangen ist und diese in hochwertiger Qualität umgesetzt hat. "Es war ein ganz persönliches Bedürfnis bei solch einer wertvollen Aktion zu helfen", sagte Frau Bröcker, Geschäftführerin von Schöpfer.
Deswegen hat die Firma unser Design völlig kostenfrei umgesetzt!!!
Aber nicht nur das, Frau Bröcker konnte sogar Ihre Zulieferer von der Aktion überzeugen, so dass auch die benötigten Folien kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Einen Riesendank hat sich somit Frau Bröcker mit Team verdient!!!
   
13.Oktober 2004 Die Indienststellung
Unter großem Beifall der anwesenden Spender konnte der Baby-Notarztwagen enthüllt werden, um seine Bestimmungen zu erfüllen.
Eingeleitet vom DRK-Kreisvorsitzenden Herrn Hillebrand und dem Chefarzt der Kinderklink Herrn Prof. Trefz konnte zum einen noch mal eine großzügige Spende der Firma Max Moritz (Reutlingen) entgegengenommen werden. Nach dem auch der der DRK-Geschäftsführer Tiefensee, sowie der ärztliche Direktor der Kreiskliniken Reutlingen Herr Prof. Lenz die großzügige Spendenbereitschaft aller Spender gewürdigt hatte, konnte mit Kinderhilfe das Fahrzeug enthüllt werden.
Der Spendenstand beträgt am Tag der Übergabe 70.030,17€
   
seit Oktober 2004 Nach wie vor herrscht großes Interesse am Baby-Notarztwagen Reutlingen. Auf zahlreichen Veranstaltungen konnte das Fahrzeug bereits vorgeführt werden. Es wurde sogar bereits eine Reportage mit gedreht.
   
Frühjahr 2005 Um den über 30 Jahre alten Inkubator zu ersetzen, wird die anhaltende Spenden-bereitschaft genutzt, um das alte Gerät zu ersetzen.
Der Inkubator wurde 1973 in Betrieb genommen: schlechte Isolierung, Wärmeverlust, veraltete Technik und nicht optimale Beatmungsformen, bedingt durch das alte Beatmunsgerät, machen ein neues Gerät erforderlich, um den kleinen Patienten nicht nur mit modernsten Fahrzeugen zu helfen...
   
 

Neugeborene im Rettungsdienst
Die Behandlung und Versorgung von gefährdeten Neugeborenen erfordert spezielle diagnostische und therapeutische Maßnahmen - intensivmedizinische Überwachung, Unterstützung und ggf. Ersatz der Vitalfunktionen.
Um die Überlebenschancen von Risiko-Neugeborenen zu verbessern wurde Anfang der 70er Jahre mit dem Auf- und Ausbau spezieller Neugeborenen-Intensivstationen begonnen.
Schon aus Personal-, Ausbildungs- und Kostengründen war es nicht möglich, eine derartige Intensivmedizin an allen Krankenhäusern mit geburtshilflicher Abteilung oder an jedem Kinderkrankenhaus zu betreiben. So wurden diese aufwendigen Einrichtungen an Schwerpunktkinderkliniken zentralisiert. Der Transport von der Geburtsklinik in die Schwerpunktklinik war jedoch lange nicht befriedigend gelöst.

Bereits im Juni 1974 übergab Siegfried Steiger (Björn-Steiger-Stiftung) einen ersten "Rettungswagen für Frühgeborene" an den DRK-Kreisverband Stuttgart, als ersten Baby-Notarztwagen in Deutschland.
Der DRK-Kreisverband Esslingen leistete mit dem "Baby-Notarztwagen" Pionierarbeit. Ein fest eingebauter Brutkasten sowie ein spezielles Federungssystem sollen dafür sorgen, dass Spätfolgen durch den Transport verringert bis ausgeschlossen werden. Die Idee für den Wagen für die Neugeborenen hatten Ärzte der Esslinger Kinderklinik und Mitarbeiter des DRK-Kreisverbandes; sie haben das Fahrzeug mit um- und ausgebaut. Seit 1977 ist der Wagen auf den Straßen unterwegs. Seither kommen in immer mehr Städten ähnliche Baby-Notarztsysteme zum Einsatz. In einem Pilotprojekt im Raum München ging so die Sterblichkeitsrate von Risiko-Neugeborenen um über 25% zurück.

 

Die Entwicklung des Rettungswesens
Auslöser für die Verbesserung des Rettungsdienstes war die sprunghafte Zunahme der Verkehrsunfälle in der ,,Wirtschaftswunderzeit".
Ein elfenbeinfarben lackierter und zum Operationswagen umgebauter Reisebus mit Anhänger der Universität Heidelberg machte 1957 den Anfang:
Der technische Aufwand für das Heidelberger ,,Klinomobil" war beträchtlich. Ein Mercedes Reiseomnibus vom Typ 0 321 H bildete die Basis. Da die umfangreiche Apparatetechnik eine adäquate Energieversorgung verlangte, wurde ein mobiler Stromerzeuger in einem Einachsanhänger transportiert. Sehr bald zeigte sich in der Praxis, dass der über neun Meter lange Omnibus mit seinem Anhänger im Stadtverkehr sehr schwerfällig war.
Ernüchternde Erfahrungen machte auch das Ärzteteam: Operative Eingriffe auf der Straße waren in den allermeisten Fällen medizinisch gar nicht geboten. Trotzdem setzte sich die Idee des Notarztwagens durch.
Schon bald folgten weitere Versuche in anderen Großstädten. Nur kurze Zeit später, am 3. Juni 1957, ging in Köln ein ,,Notfallarztwagen" in Dienst. Dieses Fahrzeug glich einem heutigen Rettungswagen bereits stark. Das Basisfahrzeug war eine Nummer kleiner als das Heidelberger Modell. Zur medizinischen Ausstattung zählten ein Narkose-Kreisteil mit Absaugvorrichtung, Intubations- und Operationsbesteck, ein tragbares Beatmungsgerät, Blutersatzflüssigkeit und Medikamente. Zu deren Unterbringung diente ein Wandschrank, der auch eine Waschgelegenheit enthielt. Mitgeführt wurde auch ein erster ,,Notfall-Arztkoffer". Die medizinische Ausrüstung wurde aufgrund der Erfahrungen laufend ergänzt und verbessert. Nach einem Jahr kam ein Defibrillator an Bord.
Die notwendigen ärztlichen Maßnahmen waren Beatmung, Kreislaufstützung und Schockbekämpfung. Größere chirurgische Eingriffe oder gar Notoperationen waren nicht erforderlich. Diese Erfahrungen führten in Hamburg zu der Empfehlung, auf Notarztwagen keine Chirurgen, sondern möglichst Anästhesisten einzusetzen. 1968 wurde der Rettungsdienst mit genormten Rettungswagen (RTW) und ,,Notarzt-Funkdienstwagen" - dem Vorläufer der ab 1982 genormten Notarzt-Einsatzfahrzeuge - durchgeführt. Während der nächstgelegene RTW von einer Rettungswache ausrückte, fuhr der Notarzt von ,,seinem" Krankenhaus zur Unfallstelle und traf sich zum Rendezvous mit der RTW-Besatzung.
Notarztwagen (NAW) und Notarzt-Einsatzfahrzeuge (NEF) gehören heute im bundesdeutschen Rettungsdienst zu den unverzichtbaren und selbstverständlichen Rettungsmitteln. Sie gewährleisten bei lebensbedrohlich Erkrankten und Verletzten schnelle medizinische Hilfe vor Ort. Die frühestmöglich einsetzende präklinische ärztliche Versorgung verbessert die Prognose bei diesen Patienten entscheidend.