Die Entwicklung des
Rettungswesens
Auslöser für die Verbesserung des Rettungsdienstes war die sprunghafte
Zunahme der Verkehrsunfälle in der ,,Wirtschaftswunderzeit".
Ein
elfenbeinfarben lackierter und zum Operationswagen umgebauter Reisebus
mit Anhänger der Universität Heidelberg machte 1957 den Anfang:
Der technische Aufwand für das Heidelberger ,,Klinomobil" war beträchtlich.
Ein Mercedes Reiseomnibus vom Typ 0 321 H bildete die Basis. Da die umfangreiche
Apparatetechnik eine adäquate Energieversorgung verlangte, wurde ein mobiler
Stromerzeuger in einem Einachsanhänger transportiert. Sehr bald zeigte
sich in der Praxis, dass der über neun Meter lange Omnibus mit seinem
Anhänger im Stadtverkehr sehr schwerfällig war.
Ernüchternde Erfahrungen machte auch das Ärzteteam: Operative Eingriffe
auf der Straße waren in den allermeisten
Fällen medizinisch gar nicht geboten. Trotzdem setzte sich die Idee des
Notarztwagens durch.
Schon bald folgten weitere Versuche in anderen Großstädten. Nur
kurze Zeit später, am 3. Juni 1957, ging in Köln ein ,,Notfallarztwagen" in
Dienst. Dieses Fahrzeug glich einem heutigen Rettungswagen bereits stark. Das
Basisfahrzeug war eine Nummer kleiner als das Heidelberger Modell. Zur medizinischen
Ausstattung zählten ein Narkose-Kreisteil mit Absaugvorrichtung, Intubations-
und Operationsbesteck, ein tragbares Beatmungsgerät, Blutersatzflüssigkeit
und Medikamente. Zu deren Unterbringung diente ein Wandschrank, der auch eine
Waschgelegenheit enthielt. Mitgeführt wurde auch ein erster ,,Notfall-Arztkoffer".
Die medizinische Ausrüstung wurde aufgrund der Erfahrungen laufend ergänzt
und verbessert. Nach einem Jahr kam ein Defibrillator an Bord.
Die
notwendigen ärztlichen Maßnahmen waren Beatmung, Kreislaufstützung
und Schockbekämpfung. Größere chirurgische Eingriffe
oder gar Notoperationen waren nicht erforderlich. Diese Erfahrungen
führten in Hamburg zu der Empfehlung, auf Notarztwagen keine Chirurgen,
sondern möglichst Anästhesisten einzusetzen. 1968 wurde der
Rettungsdienst mit genormten Rettungswagen (RTW) und ,,Notarzt-Funkdienstwagen" -
dem Vorläufer der ab 1982 genormten Notarzt-Einsatzfahrzeuge -
durchgeführt. Während der nächstgelegene RTW von einer
Rettungswache ausrückte, fuhr der Notarzt von ,,seinem" Krankenhaus
zur Unfallstelle und traf sich zum Rendezvous mit der RTW-Besatzung.
Notarztwagen (NAW) und Notarzt-Einsatzfahrzeuge (NEF) gehören heute im
bundesdeutschen Rettungsdienst zu den unverzichtbaren und selbstverständlichen
Rettungsmitteln. Sie gewährleisten bei lebensbedrohlich Erkrankten und
Verletzten schnelle medizinische Hilfe vor Ort. Die frühestmöglich
einsetzende präklinische ärztliche Versorgung verbessert die Prognose
bei diesen Patienten entscheidend.
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